Liebe Leser

Heute zeige ich den Spruch

Wir leben da, wo andere Urlaub machen

in aller Kürze. Bei uns vor der Haustür ist das Biosphärengebiet Schwäbische Alb mit dem ehemaligen Truppenübungsplatz. Dieses Gebiet ist zum Glück nur teilweise erschloßen, weil das Aufräumen der Munitionsreste oder der gefährlichen Güter zu viel Geld verschlingen würde. Es sind nur die befestigten Wege für Fußgänger, Radfahrer und Inliner frei. Die ehemailge Panzerringstraße ist zu Testzwecken an Mercedes verpachtet und ist somit eine Privatstraße, die nicht betreten oder befahren werden darf.

Aber auf den anderen Wegen ist so viel Natur zu sehen, tolle Wege, herrliche Aussichten und man kann die Natürlichkeit genießen. Die Natur wird auch nicht bewirtschaftet, keine Kühe, keine Pferde – das wäre zu gefährlich, weil ja immer noch die Bomben, Granaten und sonstige Sprengmittel herumliegen. Einzig die Schafe mit den kleinen Hufen dürfen das Gras mit all den Kräutern und Blumen essen.

Wir haben uns am Morgen am Biosphärenzentrum in Münsingen am alten Lager getroffen und bekamen von unserem TrÜP Guide (Truppen Übungsplatz Führer) die Einweisung, die Hinweise und mußten sogar unterschreiben – wegen der Haftung.

Dann ging es gemütlich los. Wir hielten immer wieder an markanten Punkten und ließen uns die geschichtlichen Hintergründe erklären. An den Bergen steigen einige Teilnehmer ab und alle anderen warteten immer oben auf dem Berg – es war ja kein Rennen. Die geführte Tour macht zum Kennenlernen Sinn, weil gewisse Bereiche historisch wertvoll sind oder so versteckt liegen, daß man gerne vorbeifährt.

Am Anfang hielten wir am französischen und russischen Friedhof, wo Gefangene und Kämpfer von den ersten beiden Weltkriegen liegen. Völlig unscheinbar in einer Waldschonung, etwas abseits (natürlich gesichert und kontrolliert) liegen die Gräber.

Solchen Ausblick kann man dort genießen.
Dann fuhren wir weiter über die einsamen Wege mit der imposanten Aussicht.
Bis zu unserem Rastplatz – zum ehemaligen Dorf Gruorn. Dort wurde wieder im alten Schulhaus bewirtet und wir ließen uns die herrlichen Köstlichkeiten schmecken. So eine Stärkung tut gut (siehe Bericht vom 28.5.2014).
Vor der Weiterfahrt wurde noch der historische Hintergrund der Schule, des Dorfes, der Kirche und des ehemaligen Rathaus (mit Feuerwehr) gezeigt. Unser Guide hatte immer seine Mappe mit den Erklärungen und Zeitungsausschnitten Dokumenten und alten Fotos bereit.
Ich hatte eine Tafel mit einer Erklärung der Wege gefunden und wußte, daß wir gerade noch nicht einmal die Hälfte der Tour geschafft hatten. Das Wetter änderte sich, immer wieder zogen Wolken auf. Hoffentlich hält es.

Also ging es weiter …

Über Waldwege, geteerte Straßen und Schotterstrecken.

Der nächste größere Halt war ein Aussichtsturm, um die Umgebung zu erkunden. In 20 Metern schaute man auf die Natur – fast konnten wir den Bodensee erkennen, nur fast.

Nach dem Abstieg kam die Ernüchterung – einem Teilnehmer wurde plötzlich unwohl. Er wurde ganz blaß und weiß, das sah nicht gut aus. „Mir geht es irgendwie schlecht“, meldete er sich. Die Tour könnte er nicht zu Ende fahren. Was tun? Unser Guide holte sein Mobiltelefon und wählte die 112, ich hatte ja erst einen Erste-Hilfe-Kurs und wußte:

Das Wichtigste ist – abwarten auf Rückfragen!

Okay, der Wagen kommt in ca. 15 Minuten. Selbst in der Wildnis der rauen Alb kommt der Krankenwagen innerhalb kurzer Zeit. Ich bot mich an, an der nächsten Kreuzung die Rettungskräfte in den versteckten Platz zu lotsen. Und wirklich, nach ca. 15 Minuten kam der Forstwirt und der Rettungswagen im Schlepptau. Diese Gebiet ist nicht so einfach zu befahren, weil die Gefahr der Kriegsreste überall lauert und alle sich daran halten müssen.

Selbst das Fahrrad wurde versorgt

Das war doch ein Schreck, aber die beste Lösung. Zur Vorsorge wurde er ins nächste Krankenhaus eingeliefert. Wir fuhren dann beruhigt weiter, weil wir wussten, daß das Beste für ihn war. Er hätte die Tour in seinem Zustand nicht mehr beenden können.

Nach einiger Zeit kamen wir wieder am Startpunkt an – glücklich aber geschafft. Der Abschluss wurde noch etwas verzögert, weil wir mit unserem Guide noch in das „Alte Lager“ durften. Normalerweise ist das Tor immer geschlossen, aber mit dem richtigen Schlüssel eine feine Sache.

So wurden wir wieder mit den Gebäuden und der historischen Erzählung zu diesem Ort ein wenig gescheiter gemacht – wir lernte unsere Geschichte und sahen auch das Offizier-Casino, welches man mieten kann, für die eigene Festivitäten.

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So und nun war wirklich Schluss. Ich merkte meinen Hintern, immer wieder anhalten, warten, aufsteigen, losfahren. Aber es war schön, interessant, lehrreich und eine überragende Landschaft – die Natur pur.

Frank

 

 

 

 

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